Feb 142013
 

Der qualitätsbewusste Esser steht vor mehreren Problemen, wenn er in der Fremde essen gehen möchte. Zwei dieser Probleme sind jedoch völlig unlösbar: Erstens darf man nicht hungrig sein, wenn man ein unbekanntes Lokal betritt – nur dann könnte man nämlich sofort wieder gehen, wenn die Verheißungen offensichtlich falsch sind. Und zweitens wird immer schamloser gelogen. Alles ist auf einmal selbst-, haus- und sonst wie super gemacht – aber nur bei der Bestellung. In den „Seefelder Stuben“ war es neulich die Bouillon mit Frittaten: Die Bedienung fragt extra den Chef – klar, absolut frisch und selbstgemacht. Gekommen ist eine pure Maggi-Brühe. Die Bedienung lächelt freundlich und sagt: „Entschuldigung“. Kennen wir. Hatten wir schon. Zum Beispiel Apfelstrudel…

A propos “hausgemacht”: In Ottobrunn bei München gibt es in der Nähes des S-Bahnhofs einen alteingesessenen beliebten Metzger, der mit „hausgemachten“ Wurstwaren wirbt. Auf die Frage nach Glutamat antwortet die Verkäuferin fröhlich: Aber selbstverständlich ist da Glutamat drin! Offenbar ist selbst schuld, wer unter „hausgemacht“ was anderes erwartet. Warum hat „hausgemacht“ bei unseren „normalen“ Lebensmittelproduzenten und –verarbeitern eigentlich überhaupt nix mehr mit „sauber“ zu tun? Und warum sind solche Aussagen nicht justiziabel? Jeder kann alles in jeglicher Qualität als “hausgemacht” anpreisen, während der Konsument unter “hausgemacht” doch ausschließlich beste Qualität versteht!

Ein letztes Mal zurück nach Seefeld: Die Nutzer des Tripadvisor empfehlen unbedingt den „Dorfkrug“, etwas außerhalb, in Mösern. Wir reservieren einen Tisch, fahren extra hin – und finden uns bei den Rauchern platziert. Nein, danke schön, wir wollten essen. Hätte man ja bei der Reservierung schon mal sagen können, sehr ärgerlich – vor allem, weil in Seefeld um diese Uhrzeit alles ausgebucht ist.

Nur im eher unspektakulären Hotel Diana, da war das Essen in Ordnung. Eine gute französische Zwiebelsuppe, ein sehr geschmackiges Alt-Wiener Herrengulasch mit einigermaßen luftigem Semmelknödel: Da kann man hingehen. Die Bedienung plauscht sehr freundlich mit den Gästen: Sehr sympathisch. Ein Muss ist das aber auch nicht.

Alles in allem verzichten wir entgegen unserer Gewohnheit auf die Nennung der Websites der Lokalitäten in Seefeld, die wir besucht haben. Macht keinen Sinn, ehrlich. Kollegen von Slow Food Österreich: Übernehmen Sie!

 Veröffentlicht von am 14.02.2013