Arche des Geschmacks

Murnau-Werdenfelser Rind
Die Arche des Geschmacks ist ein weltweites Projekt von Slow Food International. Vergessene oder vom Vergessen bedrohte regionale Nutztierrassen, Gemüse- und Obstsorten sowie Speisezubereitungen sollen in diese Arche gesammelt und gerettet werden.
Die Arche ist ein Projekt der “Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt“. Die Stiftung arbeitet
- um biologische Vielfalt der Lebensmittel zu schützen
- die Umwelt und den Boden zu erhalten
- nachhaltige Landwirtschaft zu fördern
- kleine Produzenten und deren Lebensgrundlagen zu schützen
- die gastronomischen und landwirtschaftlichen Traditionen der Welt zu erhalten

Wahrscheinlich die nächsten Arche-Passagiere aus München (von oben im Uhrzeigersinn): Pfennigmuckerln, Schuastabuam, Riemische und Maurerlaiberl.
In München haben wir bereits das Murnau-Werdenfelser Rind, die einzige bodenständige Rasse des bayerischen Oberlands, als Passagier in die Arche aufgenommen und warten auf die Zulassung als Presidio.
Bereits beantragt ist die Aufnahme der Münchener Traditionssemmeln (Riemische, Maurerlaiberl, Pfennigmuckerln, Schuastabuam, s. Foto). Nur noch wenige Bäckereien in München und Umgebung backen diese dunklen Semmeln. Wir finden sie sehr erhaltenswert, weil sie
- ernährungsphysiologisch wertvoller sind als Weißmehlsemmeln
- besonders gut zu den hiesigen Brotzeiten wie Weißwürsten, Leberkäs, Wurstsalat, Presssack, Obatzter usw. passen
- sie auf Grund ihrer doppelten oder mehrfachen Form kommunikativ sind
- sie ein Hinweis auf einen Bäcker darstellen, der noch handwerklich arbeitet
- und weil die Pfennigmuckerln sich als kleine Portion sich besonders gut für den kleinen Appetit von Kindern eignen.

Der Korbiniansapfel aus Dachau
Als nächste Kandidaten kümmern wir uns um den Korbiniansapfel, der vom bekannten “Apfelpfarrer” Korbinian Aigner (seien detailreichen Apfel-Zeichnungen wurden auf der letzten Documenta ausgestellt) im KZ Dachau aus einem Sämling gezüchtet wurde. Es ist ein aromatischer Winterapfel, der spät geerntet und noch später Genussreife erlangt, und so gegen die langweilige Importware aus Argentinien, Chile, China und Neuseeland gesetzt werden kann. Er dient als Wirtschafts- und Tafelapfel und kann bis ins Frühjahr gelagert werden.

Der Münchner Bierradi
Weitere Kandidaten, die wir dieses Jahr noch in die Arche des Geschmacks bringen möchten, sind die Bavesen (ein Teller-statt-Tonne-Gebäck aus alten Weißbrotscheiben, meist mit Zwetschgenmus gefüllt, in Ei gewendet und schwimmend ausgebacken) und der Münchner Bierradi, der so viel charaktervoller daherkommt wie die fad-wässrigen Japanrettiche aus dem Supermarkt. Sie sind eine ideale Ergänzung zu Bier und Brotzeit, sehr resistent gegen Krankheiten und Schädlinge, gut lagerfähig und auch im Hausgarten leicht anzubauen.
Auf unserer Arbeitsliste stehen auch noch die Briesmilzwurst, die Münchener Voressen und das Ismaninger Kraut.
Die Arche-Arbeitsgruppe trifft sich jeden dritten Montag im Monat um 19.00 im Stemmerhof, Plinganserstr. 6, klingeln bei “Gute Stube”, erste Tür rechts. Wir suchen noch Mitglieder, die Interesse an unserer Detektivarbeit haben. Kontakt: Rudolf Böhler, bolo@texpics.de, Tel. 089/448 30 88.
