Podiumsdiskussion „Was kommt in der nächsten Legislaturperiode auf den Teller?“

 

Am Mittwoch, 28. August 2013 diskutierte Slow Food München im Gasthaus „Der Pschorr“ am Viktualienmarkt mit Vertretern (fast) aller im bayerischen Landtag vertretenen Parteien über die Qualität unserer Nahrungsmittel, die Rolle des Lebensmittelhandwerks, die Zukunft einer bäuerlichen Landwirtschaft und natürlich: Agrar- und Verbraucherpolitik.

Motto: „Was kommt in der nächsten Legislaturperiode auf den Teller?

PodiumsdiskussionIm gut besetzten Theresiensaal, mit Blick auf alles, was den Münchnern heilig ist, leitete Franz Kotteder von der SZ die Diskussionsrunde kompetent, auf den Punkt bringend und durchaus ironisch-humorvoll. Slow Food ist eben auch Genuss!

Mit dabei: Isabell Zacharias –MdL -SPD, Eva Gottstein – MdL – Freie Wähler, Daniel Föst -Münchner FDP-Chef – FDP-Landtagskandidat und last-but-not-least Rupert Ebner, unser Convivienleiter, der bei den GRÜNEN für den Landtag kandidiert.

Leider glänzte die Mehrheitspartei CSU mit Abwesenheit. Arroganz der Macht? Das Convivienteam hat beginnend am 2. August eingeladen, nachgefasst, hinterher telefoniert, nicht zustellbare E-Mails, weil übervolle Mailboxen erlebt; Rückrufe wurden versprochen, fanden niemals statt. Und als man dann Gehör fand, war es zu knapp und angeblich keine Termine mehr frei.

So bleibt die Diskussion in vielen Punkten gar nicht so kontrovers. Klar, auch ein Politiker ist (Genuss-) Mensch, hat Familie, ist selbst Verbraucher. Und viel spielt dann im Politikbetrieb eine Rolle, wo Fraktionszwang, innerparteiliche Flügel und Auseinandersetzungen, Berlin, Brüssel und das Bundesland beeinflussen.

Einigkeit herrschte in der Forderung nach einer umfassenden Kennzeichnungspflicht und im Transparentmachen der Herkunft von Lebensmitteln. Auch muss bereits in Kindergärten, in Tagesstätten und Schulen das Thema Essen und Ernährung einen deutlicheren Stellenwert bekommen. Von der spielerischen Wissensvermittlung, dem eigenem Erleben vor dem Klassenzimmer (Schulgärten, Hofbesuche, Ausflüge) und in praktischem Tun (selbst Kochen, Schulverpflegung mitgestalten). Das Geld dafür ist da, muss ggf. nur umgeschichtet werden. So merkte Eva Gottstein von den Freien Wählern an, dass das Landwirtschaftsministerium einmal an jede Grundschulklasse in Bayern ein Paket mit Heu verschickte, damit die Kinder einmal Heu riechen und fühlen können. Theorie, statt einfach vor die Tür gehen! Kosten dieser Absurdistan-Aktion: über 100.000,- Euro. Wie viel Sinnvolleres könnte man mit diesem Geld erreichen? Stichwort Schulfach: Lebenskunde.

Rupert Ebner stellte fest, trotz Regelungs-, Dokumentationspflicht- und Vorschriftenwahn jage ein Lebensmittelskandal den anderen. Für kleine Lebensmittelhandwerker gelten die gleichen Vorgaben wie für die Großindustrie. Das beschleunigt den Strukturwandel. Auch werden die Vorschriften, z. T. je nach Landkreis unterschiedlich ausgelegt. So kann es passieren, dass auf der einen Straßenseite ein Schlachtraum wegen eines lackierten Türrahmens die Zulassung verliert und die Türe durch eine aus Edelstahl ersetzt werden muss, während dies auf der anderen Straßenseite im Nachbarlandkreis zulässig ist. Das schafft Wettbewerbsverzerrungen und kann Existenzen vernichten.

Isabell Zacharias, SPD, bemerkt, dass die nachhaltige Landwirtschaft beim Bauernverband noch nicht angekommen sei und auch das Landwirtschaftsministerium noch kein Konzept für die Zukunft der Landwirtschaft in Bayern habe.

pschorr4aDaniel Föst von der FDP sieht im Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft nicht nur Risiken, sondern auch Chancen, fordert aber eine klare Kennzeichnung und verlässliche Gütesiegel. Der Verbraucher habe es in der Hand zu wählen.

Unisono wird ergänzt: Um wählen zu können, braucht es aber Wissen und Erfahrung. Und das ist bei vielen Menschen verloren gegangen und wird in vielen Familien nicht mehr vorgelebt. Der mündige und aufgeklärte Verbraucher sei (noch) eine Illusion.

Franz Kotteder, fasste unter einhelligem Nicken der Runde zusammen:

Die Politik muss klare Regeln definieren, die Rahmenbedingungen für eine Landwirtschaft setzen, die der Verbraucher will! (Und – Anmerkung des Verfassers – dann auch bezahlen muss.) Schnitzel für 1,99 Euro / Kilo geht nicht. Ein bäuerlicher Familienbetrieb muss von seiner harten Arbeit auch leben können!

Mehrere Fragen aus dem Publikum drückten die Sorge aus über die fortschreitende Vermaisung unserer Landschaft und zahlreiche – auch in Bayern geplante und genehmigte Großställe für agrarindustrielle Massentierhaltung. Oder dass z. B. in der Initiative Biostadt München eine bessere Schulverpflegung EU-weit ausgeschrieben werden muss. So würde das Regionalprinzip ad absurdum geführt!

Auch nach dem Ende des Gesprächs mit den Kandidaten gingen die Diskussionen noch eine ganze Weile weiter und haben sicher den einen oder anderen Besucher zum Nachdenken gebracht.