Conviviumsbrief 02/2016

Liebe Mitglieder und Freunde von Slow Food München,

Keine Nostalgie, sondern Notwendigkeit
so lautet der Titel des Vortrags von Johannes Bucej zum Thema Artenvielfalt für Ernährungsicherheit am So, 21. Februar um 12:00h auf dem 2. Saatgutfestival im ÖBZ.

Bescheidene Früchte von großer Bedeutung
Da passt es gut, dass das Jahr 2016 zum internationalen Jahr der Hülsenfrüchte (engl. pulses) erklärt wurde. Die Arche des Geschmacks hat vier autochtone Sorten an Bord: die Alblinse, die Trockenbohnensorte Ahrtaler Köksje, die Paas Lintorfer Frühe und die Kesselheimer Zuckererbse. Für letztere werden Vermehrer gesucht. Das Convivium Rhein-Mosel versendet Samentüten: essen, was man retten will.

Endspurt Kampagne aktionsbündnis ARTGERECHTES MÜNCHEN
Am 10. März behandelt der Gesundheitsausschuss des Münchner Stadtrats die Beschlussvorlage des Aktionsbündnis. Wir rufen zum Unterschriftensammelendspurt auf. Auf dem Marienplatz ab 8. März dazu auch die Kunstinstallation von neozoon vom Sommertollwood Alles hat ein Ende, nur.. mit Unterschriftenübergabe.

Regionalstammtisch in Freising
Ein Mitglied aus Freising wird in Zukunft einen sog. Regionalstammtisch zur festen Institution werden lassen. Die  Erfahrung aus Nachbarconvivien zeigt, das viele Mitglieder nicht unbedingt 40 km zum Stammtisch in die Stadt fahren möchten. Sie haben mit lokalen Ablegern sehr gute Erfahrungen gemacht. Falls Interesse besteht, kurze Info an uns.

Bio-Bashing: von SOKOs, Schweinen und Schein
Bei SOKO denken die Jüngeren von uns an eine Sängerin, die anderen an eine drittklassige Vorabend-TV-Serie oder Kernerarbeit bei polizeilichen Ermittlungen. Die sog. SOKO-Tierschutz kennen wir aus Enthüllungsberichten zur Fleischindustrie und aus aggressiven Begegnungen am Tollwood-Infostand. Fühlt sich ein bißchen an, wie die Scharia-Polizei auf vegan. Neueste Story, Hauptsache schlecht recherchiert und vom MDR manipulativ präsentiert, der Skandal beim Herrmannsdorfer. ‚Schwein und Schein’ titelt dazu die SZ. Rechtzeitig vor der kommenden BioFach können vermeintliche Besserwisser ihr „seht, sag’ ich doch schon immer, bio ist auch nicht besser!“ in den Blätterwald hyperventilieren.

Wir meinen, bio ist trotzdem immer besser. Nur bio schreibt den Erzeugern klare Regeln zu Tierhaltung, Fütterung, Medikamenteneinsatz usw. ins Stammbuch. Das machen diese aus Überzeugung transparent. Dem Tierwohl wird deutlich mehr Rechnung getragen, als in konventioneller Haltung. Dabei macht Biofleisch gerademal 2% des Fleischumsatzes aus, was sich 1:1 in viel kleineren Beständen niederschlägt – wobei klein jedoch nicht automatisch besser ist. Die Zustände bei den restlichen 98% werden Achsel zuckend hingenommen, doch Tierhaltung nach Bio-Grundsätzen soll bitte gleich als Heilslehre und Ersatzreligion herhalten. Wenn jemand an dieser Gebetstrommel dreht, kann der Bio-Bauer wirklich nichts dafür.

Das Grundproblem
Für die Ernährung von Menschen werden Tiere gehalten und getötet. Für Fleischesser viele; für reflektierte Biofleischesser, die seltener, kleinere Mengen, dafür aber hochqualitatives Fleisch vom ganzen Tier essen, weniger. Und leider müssen selbst für eine vegane Lebensweise viele Tiere sterben. Egal, ob im Getreide-, Soja-, Superfood- oder Green-Smoothie-Spinatfeld die Mäuse, Hamster, Hasen, Rehe oder Kaninchen mit gehäckselt werden. Die eingesetzten Pestizidcocktails Bienen, Hummeln und Schmetterlinge im kalifornischen Monokultur-Horror-Mandelhain für den morgendlichen Mandeldrink vernichten. Oder alles was kreucht und fleucht im Spritzmittelnebel aus dem Hubschrauber über der ach so idyllischen Cashewnuss-, Dattel- oder Bananen-Plantage verendet.

Zurück zum Bio-Fleisch: echten Missständen muss nachgegangen werden – auch durch die Medien – und diese müssen umgehend abgestellt werden. Der Bayern-Ei-Skandal, bei dem sogar Menschen zu Tode kamen, beweist, dass die staatl. Aufsicht allein manchmal sehr lange wegschaut. Dort hing übrigens noch nie das Schild: „Besuchen Sie uns in…!“

Und ein Diskurs wäre schon lange überfällig: der vom Nutztier zum Haustier. Was essen, was streicheln? Wie behandeln wir Hund, Katze, Papagei und Co.? Nicht essen kann manchmal viel schlimmer sein..

Der andere Bauer
Völlig ohne Skandal, aber mit unglaublicher Zuschauerresonanz verlief der Beitrag Kleinvieh macht auch Mist in der TV-Reihe „Unter unserem Himmel“ des BR über alternative Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten. Bei den beteiligten Bauern, Bäckern und der Genussgemeinschaft stand das Telefon tagelang nicht mehr still. Es kam auch zu eher kuriosen Nachfragen. Anruf bei einem Bauern im südlichen Bayern: „..sagen Sie mal, hab’ jetzt nur ihre Telefonnummer, welche Rinderrasse hält denn jetzt der andere Bauer aus der Sendung? Wissen’s schon, der östlich von München.

Und noch ein letzter Satz in Sachen Fleisch, bei unserer „Salamireise“ vom 14. bis 20. April in die Emilia-Romagna und Toscana sind noch 3 Plätze frei! Schnell melden. Info & Anmeldung.

Terminvorschau
Sa, 5. März, 10:00 – 17:00h: Iss was?! Aktionstag im
Kindermuseum München

Do, 17. März: Pasta e Emozione, Peter Peter im Salon Gastrosophique im Café Luitpold,

Sa & So, 7. & 8. Mai: Slow Food München Frühlingsmarkt

Lesetipps
Ein paar Lesetipps zum Schluss. Die Zeitschrift Ökologie & Landbau befasst sich in der aktuellen Ausgabe mit dem Thema Verarbeitung. Der kritische Agrarbericht 2016 ist erschienen, im Buchhandel oder als Onlineversion.

Wir sehen uns beim Stammtisch am Mi, 3. Februar um 19:00h im Pschorr.

Mit genussvollen Grüßen,

Markus Hahnel & Rupert Ebner

 

Termine:
Mi, 3.2. – 19:00h: Stammtisch im Pschorr,
Do, 4.2.
– 20:00h: Radio Slow Food München: Schokolade, Radio LoRa,
Mi, 10.2
. – 19:00h: Dokumentarfilm „Wenn ein Garten wächst“, Monopolkino,
So, 21.2.
11-18:00h: 2. Saatgutfestival im ÖBZ.

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